Umknicken im Sport: Wenn die Bänder über dem Sprunggelenk reißen

Umknicken beim Sport
Umknicken beim Sport (Bildquelle: Wayhome Studio, stock.adobe.com)

Warum eine Syndesmosenverletzung manchmal eine “Horrordiagnose” ist und wie sie behandelt wird, ist eines der Themen auf dem 37. GOTS-Kongress im Mai in Berlin.

Die Syndesmose ist die Verbindung zwischen Waden und Schienbein durch eine straffe Bandstruktur, die insgesamt aus fünf Bändern besteht. Die einzelnen Strukturen sind bindegewebsartig und haben unterschiedlichen Bruchlasten und Steifigkeiten. Nur wenn alle fünf Bänder bei einer Verletzung reißen, redet man genau genommen von einem kompletten Syndesmosenriss, der in diesem Fall dann auch meist auch mit Knochenbrüchen einhergeht, erklärt die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS).

Syndesmoseband. Halteband zwischen Waden- und Schienbein, Quelle: Henrie – stock.adobe.com

„Bei einem Teilriss, bei dem nur das vordere oder mittlere Band betroffen sind, wird für die Diagnose aber oft der gleiche Terminus verwendet.“ Das ist ein wenig irreführend, und mündet nicht selten unberechtigt in der Bezeichnung „Horrordiagnose“, so PD Dr. Raymond Best, Facharzt für Orthopädie, Chirurgie, Unfallchirurgie, Notfallmedizin und Sportmedizin an der Sportklinik Stuttgart, der zu dem Thema in Berlin referieren wird.

Meist sind Sportler zwischen 12 und 40 Jahren betroffen. Außer in den Sportarten mit schnellen Richtungswechseln können Syndesmosenverletzungen oft auch beim Klettern, Wandern oder Skifahren vorkommen, wenn entsprechend hohe Kräfte am Werk sind, so die GOTS weiter.

Während Ultraschall, -Röntgen und MRT-Untersuchungen recht schnell einen kleinen Teilriss oder Komplettriss offenbaren, ist es bei einem Teilriss von mehr als einem der 5 Bänder nicht immer gleich eindeutig. Sind nur 2 bis 3 Bänder betroffen, kann man die Folgen für die Stabilität der „Sprunggelenksgabel“ oft nicht zweifelsfrei nur anhand von Bildern belegen. In diesem Fall hilft eine Spiegelung des Sprunggelenkes (Arthroskopie) weiter. Während dieser Sitzung testet der Operateur die Stabilität der Bänder z. B. durch leichtes „Gegendrücken“ des Wadenbeines mit einem kleinen Stab, erklärt die Fachgesellschaft und weiter:

Bei der operativen Versorgung wird das Wadenbein in seine Führung am Scheinbein „gestellt“ und per Schrauben oder Fadensystemen eine stabilisierende Verbindung geschaffen, die eine Heilung der syndesmosalen Bandverbindungen sicherstellen soll.

Die Ausfallzeit wird in der Regel mit mindestens acht bis zwölf Wochen angegeben. Vier bis sechs Wochen müssen Betroffene nach OP bis zum Abschluss der reparativen Phase teilentlasten, anschließend bis zu drei Monate langsam wieder aufbelasten. Auch eine Teilverletzung, die konservativ behandelt wird, muss entsprechend gut ausheilen und braucht Zeit.

Best: „Das Schlimmste, was passiert, wenn es nicht richtig ausheilt, ist, dass die Syndesmose nicht stabil genug wird, was wiederum zu belastungsabhängigen Schmerzen führen kann.“

Sportler und Nichtsportler unterlägen dabei den gleichen Naturgesetzen, auch bei Sportlern heile eine Syndesmosenverletzung nicht schneller und erfordere daher eine entsprechend konsequente Belastungspause.

Quelle:

  • Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS)
  • MedCon Health Contents GmbH
Veröffentlicht am: 5. Juli 2022Kategorien: Orthopädie

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